Wie nachhaltig sind vegane Schuhe?

Schuhe – nachhaltig und vegan? Das geht für viele nicht zusammen. Immerhin wird in der öffentlichen Meinung vegan oft mit Plastik gleichgesetzt und Leder mit natürlichen Materialien. Aber wie ist das eigentlich wirklich?

Let’s talk vegan shoes

Seit Juni 2017 gibt es den zweiten LOVECO Store in Kreuzberg, dessen Sortiment seit ein paar Monaten voll und ganz aus Schuhen besteht. Und da gilt natürlich wieder in LOVECO Manier: alles öko, fair, vegan. Wir sind also vielleicht ein bisschen voreingenommen, wenn uns jemand erzählen möchte, wie toll Lederschuhe sind. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen, wollen wir gleichzeitig immer wieder hinterfragen, wie es mit der Nachhaltigkeit von veganen Schuhen aussieht und wie wir unser Sortiment verbessern können.

Deswegen haben wir letztens nicht nur einen Experten im Bereich vegane Schuhe zu uns in die Manteuffelstraße 77 eingeladen, sondern gleich noch ein paar Medien- und Presseleute aus dem grünen Kosmos dazu, denn wenn wir eines immer wieder online  und offline heraushören, ist es das Dilemma: Was kann man denn nun wirklich bedenkenlos kaufen?

Diese und einige andere Fragen rund ums Thema hat Paul Pollinger (Gründer freiVon) in einem Gespräch mit Christina beantwortet. Wir haben den Talk für Euch aufgezeichnet.

Hier zum nachhören:

Paul und Christina im Gespräch beim Event von LOVECO

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Talk

1. Nachhaltige Schuhe müssen langlebige Schuhe sein

In der Diskussion über die Nachhaltigkeit von Kleidung spielt oftmals vor allem das Material eine Rolle. Unbedingt miteinbeziehen sollte man allerdings die Langlebigkeit eines Teils, besonders bei Schuhen, denn die werden ja auch meist besonders belastet. Gute Schuhe brauchen Zeit. Wenn ein Schuh also aussieht, als wäre er nur schnell zusammengeklebt worden (erkennbar z.B. an Kleberresten oder schiefen Nähten), ist er vermutlich auch nicht für die Ewigkeit gemacht.

2. Niemals PVC!

Beim Schuhkauf sollte man in jedem Fall PVC als Material vermeiden. Wenn möglich auch PU. Recyceltes PET dagegen ist ein ganz gutes Material!
Generell sollte man eher auf nachwachsende Rohstoffe setzen. Aber auch hier gibt es natürlich Probleme. Die Nachfrage nach Kork zum Beispiel ist mittlerweile so stark gestiegen, dass der Anbau oftmals auch nicht mehr nachhaltig ist. Welches Material man am Ende als „okay“ bewertet, bleibt also eine Einzelfall-Entscheidung.

3. Recyceltes PET macht Sinn, Plastik aus dem Meer eher nicht

PET-Flaschen lassen sich sehr gut recyceln, weil der Stoff oft ziemlich rein ist und die Flaschen nicht lange in Benutzung waren und das Material zum Beispiel nicht durch Sonneneinstrahlung stark verändert wurde. Bei recyceltem Plastik aus dem Meer sieht das anders aus. Das Plastik muss zwar aus dem Meer raus, allerdings stellt sich wirklich die Frage, ob ein Recycling davon sinnvoll ist, da die Prozesse so energieaufwendig sind, um am Ende wieder ein verwendbares Material zu haben.

4. Vorsicht bei „recyceltem“ Leder

Immer öfter sieht man Marken, die recyceltes Leder einsetzen. Total nachhaltig, mag man denken, weil es ja sowieso schon produziert wurde. Das Problem: Oft sind sehr aufwendige chemische Prozesse notwendig, um das Leder überhaupt nochmal brauchbar zu machen. Keine wirkliche Alternative also.

5. Pflanzlich gegerbt = gut?

Oftmals wird vor allem das Gerben als Problem dargestellt, dabei gibt es noch so viel mehr Prozesse, die sehr umweltschädlich sind (z.B. das Färben, Prägen, andere Formen der Veredelung). Es braucht 40 Schritte, um Leder herzustellen. All diese Schritte sind wasser- und energieintensiv und oftmals landen giftige Stoffe in der Umwelt. Pflanzlich gegerbtes Leder wird häufig als sehr umweltfreundlich beschrieben, ohne die ganzen anderen Schritte zu beleuchten. Bei pflanzlich gegerbtem Leder ist also einer von vielen Schritten ein wenig besser, das macht allerdings das Leder noch nicht zu einem nachhaltigen Material. Ganz abgesehen vom ethischen Aspekt natürlich!

 

Außer viel wertvollem Input von Paul, haben wir einen Abend mit vielen lieben Menschen aus der grünen Szene in Berlin verbracht. Hier sind ein paar Schnappschüsse.

Die Filiale von LOVECO in Kreuzberg

Frau mischt sich eigenes Fußpeeling zusammenAls kleines Special haben wir eine DIY-Station vorbereitet, bei der alle Gäste ihr eigenes (Fuß)peeling zubereiten konnten. Zum Einsatz kamen Kaffee, Salz, Zucker, natürliche Düfte und Öle – seid Ihr an den Rezepten interessiert? Wir könnten unsere Lina (die irgendwie immer gute Naturkosmetik-DIYs parat hat) bestimmt zu einem Extra-Blogpost überreden 😉

 

Als Gefäße für das Peeling kamen alte Gläser von Brotaufstrichen zum Einsatz!Bloggerin Mia von heylilahey beim Event von LOVECO Gründerteam Christina Wille und Moritz Marker vor LOVECO Vegan Shoes in Kreuzberg Papphocker von STANGE Pappmöbel

Teilnehmerin auf nachhaltigem Papphocker von STANGE PappmöbelBei unseren Events soll es natürlich nicht nur um Nachhaltigkeit gehen, wir achten auch in der Vorbereitung sehr darauf, dass wir möglichst nachhaltig agieren. So hatten wir dieses Mal STANGE Pappmöbel als Partner dabei. Das Berliner Unternehmen stellt schon seit über 30 Jahren Pappmöbel her. Und die Papphocker eignen sich perfekt für ein Event bei uns: In unserem kleinen Laden in Kreuzberg können wir keine Stühle für Events lagern. Die Hocker sind schnell aufgebaut, zu 60-80% aus Altpapier, der Rest aus Frischfasern sorgt für die hohe Stabilität. Die Produkte sind zu 100% recyclefähig und in Deutschland hergestellt. Fun Fact: Der Hocker war eines der ersten Pappmöbel der Firma!

Veganes Catering von Die Vetzgerei

Catering kommt bei uns natürlich nur ein veganes ins Haus! Unsere leckeren Snacks kamen von der Vetzgerei. Wer die noch nicht kennt, sollte sie unbedingt mal in der Raumerstraße 36 besuchen. Da gibt es leckere Aufschnitte, Aufstriche, gutes Brot und noch mehr. Alles pflanzlich.Teilnehmer hinter Tisch im LOVECO Vegan Shoes Laden in Berlin Kreuzberg

Mann und Frau im Gespräch auf dem Event von LOVECO

 

 

2 Comments

  1. Avatar Miri 15. August 2018 at 7:38

    Herzlichen Glückwunsch (nachträglich 😉 ) zum 2. Shop. Die Schuhfrage hinsichtlich der Nachhaltigkeit habe ich mir auch schon gestellt. Bislang waren secondhand Schuhe meine go-to Lösung: selbst wenn sie aus Leder sind, wird die Nachfrage am Markt nach Leder nicht gesteigert. Und man rettet sie vor dem Wegwurf/Herumstehen. Ich hoffe, dass es bald mehr nachhaltige vegane Schuhoptionen gibt!

    Ein Lächeln,
    Miri
    http://www.thesoulfoodtraveller.com

    Reply
    1. Avatar Lina Zuppke 15. August 2018 at 13:51

      Liebe Miri,

      danke für Deine Glückwünsche und Deinen Kommentar! Ja, das ist auf jeden Fall ein guter Start mit den Second Hand Schuhen. Wir finden, es gibt mittlerweile wirklich eine ganz gute vegane Auswahl von kleinen und aufstrebenden Herstellern, die man unterstützen sollte.

      Liebe Grüße,
      Lina von LOVECO

      Reply

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