Wie LOVECO New Work lebt

New Work ist in aller Munde – doch was soll das eigentlich bedeuten und wie setzen wir das Neue Arbeiten hier bei LOVECO um? Ist es mit Home Office und einem Obstkorb getan oder steckt doch mehr dahinter? Wieso ist es vor allem für faire und nachhaltige Firmen wichtig, Transparenz und Toleranz im Team zu entwickeln? In einem Interview erklären unsere Gründerin Christina Wille und unser Geschäftsführer Moritz Marker, wie New Work bei LOVECO aussieht. Weil es bei diesem Thema aber natürlich auch besonders darum geht, wie das Team das Arbeiten erlebt, kommen außerdem weitere Stimmen zu Wort.

Was ist New Work?

„Die zentralen Werte von New Work sind die Selbstständigkeit, die Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft. New Work soll neue Wege von Freiräumen für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bieten und somit etwas wirklich Wesentliches und Wichtiges zum Arbeitsmarkt beitragen.“
(via Gründerszene)

Wie versteht Ihr New Work, was ist Euch wichtig?

Christina: New Work bedeutet für mich, dass Mitarbeiter*innen gleichberechtigt und auf Augenhöhe mit ihren Vorgesetzten und Kolleg*innen arbeiten können. Dazu gehören flache Hierarchien, selbstverantwortliches und selbstorganisiertes Arbeiten. Es gehört aber auch Flexibilität dazu, wenn zum Beispiel jemand aus dem Home Office arbeiten, einen außergewöhnlich langen Urlaub machen möchte oder gesundheitliche Umstände ein anderes Arbeiten erfordern.

In solchen Fällen würde ich immer versuchen, einen Weg mit der*dem Mitarbeiter*in zu finden. Eine offene Kommunikationskultur, in der man private Umstände in seine Arbeitsroutine mit integrieren kann, liegt mir am Herzen.

Moritz: Jede*r muss für sich, das Team oder das Unternehmen das Passende raussuchen.  Ein Art Betriebsanleitung oder ein Patentrezept, das für alle passt, gibt es nicht, obwohl das gerne mal so verkauft wird. 


Lina Zuppke, Marketing & Onlineshop
„Mit dem Start des Online Shops, kam ich ins Team dazu. Weil der Online Shop anfangs aber nicht so gut lief wie gedacht, musste ich Stunden reduzieren. Das haben wir allerdings frühzeitig und offen besprochen und gemeinsam eine Lösung gesucht, wie ich nebenberuflich selbständig mein Gehalt aufstocken kann. In der Zeit, die ich bei LOVECO arbeite, wollte ich immer wieder Neues in bestimmten Bereichen lernen und habe so zum Beispiel Fortbildungen zu Content Planung, Social Media, schönerem Schreiben und Selbstorganisation gemacht und bin außerdem letztes Jahr auch zu einer Konferenz über nachhaltige Mode gefahren. Insgesamt sind wir im Team sehr offen: wir müssen keinen Urlaub beantragen, sondern stimmen uns eigenständig ab, wer wann gehen kann und besprechen auch Zahlen sehr transparent. Wenn ein Jahr zum Beispiel gut lief, besprechen wir im Team gemeinsam, was wir mit den finanziellen Mitteln als nächstes gerne angehen möchten.“

Welche „klassischen“ Arbeitsstrukturen findet Ihr sinnvoll und welche gar nicht? (Hierarchien, Gehaltsverhandlungen, Unternehmenszahlen, Urlaubsplanung, Home Office, …)

Moritz: Transparenz in allen relevanten Unternehmens- und Teambereichen (Gehälter, Unternehmenszahlen, Zuständigkeiten und Kompetenzen) ist für mich das Fundament. Erst durch Transparenz wird eine ehrliche und vertrauensvolle Kommunikation sowohl unter den Mitarbeiter*innen als auch gegenüber unseren Kund*innen möglich.

Auf diesem Fundament können dann sowohl klassische als auch neuartige Arbeitsformen getestet, eingeführt und auch wieder verworfen werden. Ein Beispiel: Wir haben drei Stores mit festen Öffnungszeiten an sechs Tagen der Woche. Hier greifen eher Methoden der klassischen Arbeitsstruktur, denn es müssen immer genug Leute im Store sein, es gibt einen Schichtplan und nach der Schicht ist Feierabend. In unserem Büro kann man das Thema Anwesenheit flexibler angehen und Home- und Remote-Office sind möglich. Dafür kann es dann aber auch mal sein, das man doch noch abends oder am Wochenende an Themen sitzt.

Christina: Es darf Hierarchien geben, aber sie sollten nie zu ausgeprägt sein. Mitarbeiter*innen haben meines Erachtens ein Recht darauf mit zu bestimmen, wie ihr Arbeitsalltag aussieht und welche Aufgaben sie übernehmen müssen. Es gibt natürlich immer Aufgaben, die niemand gern macht und es sollte nicht jede Kleinigkeit ausdiskutiert werden. Es sollte aber eine offene Kommunikation darüber herrschen, wenn Aufgaben ungern von bestimmten Personen gemacht werden. 

Gehaltsverhandlungen finde ich ein wichtiges Thema. Hier muss von allen Seiten geschaut werden, was machbar ist und was gesund für das Unternehmen ist. Grundsätzlich kann man aber immer darüber reden und niemand sollte ein Gespräch scheuen müssen. Wir halten unsere Zahlen sehr offen, um allen zu zeigen, was wir gemeinsam erreicht haben und verstehen zu können, wofür und wie viel Geld wir für Projekte oder neue Stellen einsetzen können.


Cecile Meier, Werkstudentin
„Ich studiere Sustainability in Fashion and Creative Industries und bin Werkstudentin bei LOVECO. Als ich mit dem Masterstudiengang angefangen habe, hatte ich noch keinen festen Vorlesungsplan und konnte noch nicht sagen, an welchen Tagen ich tatsächlich im Büro sein kann. Ich habe schnell gemerkt, dass ich solche Sachen gut ansprechen kann und darauf auch flexibel reagiert wird. Wir besprechen und entscheiden vieles zusammen. Im zweiten Semester war mein Vorlesungsplan sehr unregelmäßig und ich konnte oft aus dem Home Office arbeiten oder von der Bibliothek in meiner Uni. Außerdem wollte ich im zweiten Semester etwas mehr Geld verdienen und konnte meine Stunden relativ spontan aufstocken.“

Wie sollte die Arbeitsatmosphäre bei fairen und nachhaltigen Unternehmen eurer Meinung nach aussehen?

Moritz: Ehrlich, offen für Lob und Kritik, respektvoll und natürlich transparent. Wenn ich als faires und wirklich nachhaltiges Unternehmen von meinen Zulieferern Transparenz verlange, sollte ich auch innerhalb des Unternehmens Transparenz vorleben.

Christina: Jede*r sollte gern zu seiner Arbeit gehen und sich wohl fühlen. Niemand hat etwas davon, wenn die Mitarbeiter*innen gestresst und abgearbeitet sind. Wir versuchen allen Mitarbeiter*innen eine Offenheit zu signalisieren, dass niemand Angst haben muss, etwas anzusprechen. So würde ich auch in einem Unternehmen behandelt werden wollen. Also möchte ich das auch meinen Mitarbeiter*innen ermöglichen. 

Braucht man viel Budget, um das Arbeiten für Mitarbeiter*innen flexibler und angenehmer zu machen?

Christina: Wir haben ja keine höheren Kosten dadurch, dass jemand Home Office macht. Es braucht vielleicht mal mehr Kommunikation und Organisation, wenn beispielsweise jemand für vier Wochen in den Urlaub fahren möchte. Aber am Ende kommt dafür ein*e glückliche*r Mitarbeiter*in zurück. Das sollte es wert sein und ich möchte das niemandem verwehren. Was wir bisher nicht anbieten, was aber sicher für die Zukunft spannend ist, wäre etwas wie Betriebssport. Da hat man natürlich kurzfristig gesehen finanziellen Mehraufwand. Langfristig betrachtet hat man aber gesunde Mitarbeiter*innen. 

Moritz: Der teure Kickertisch oder die Kaffee-Flatrate (was in der Start-Up-Szene manchmal als New Work gilt) sind maximal Hygienefaktoren für die Arbeitsatmosphäre und motivieren nicht nachhaltig. Es kommt vielmehr darauf an, wie man untereinander und im Kontext des Unternehmens klar kommt: Werden meine Ideen und Anregungen gehört? Wie effizient sind unsere Meetings? Kann ich mich weiterbilden? Brennt der Laden ab, weil mal wer im Team etwas länger krank ist?


Laura Roth, Einkauf & Verkauf
„Ich arbeite hauptsächlich im Laden, habe aber auch einige Dinge, die ich am Rechner erledige. Wann genau und wo ich das mache, ist mir selbst überlassen – da gibt es einfach Vertrauen. Das finde ich gut, weil ich das Home Office manchmal als Abwechslung zur Arbeit im Laden mag und manches auch einfach konzentrierter abarbeiten kann, wenn ich es ungestört von zu Hause aus mache.“

Wie integriert man eine vertrauensvolle Atmosphäre im ganzen Team? Warum macht das für euch überhaupt Sinn?

Christina: Für mich ist Respekt eine der wichtigsten Faktoren für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Auf Respekt baut auf, ob und wie man die Arbeit einer Person wertschätzt. Dazu gehört auch konstruktive Kritik. Aber am Ende des Tages muss man sich und seine Arbeit wertgeschätzt fühlen. Dann kann Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein entstehen.

Das sind wichtige Grundpfeiler für mich, um meine Mitarbeiter*innen zu motivieren und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Wer mein Vertrauen genießt, hat auf der anderen Seite auch viele Freiheiten. Ich möchte niemanden überwachen. Ich mag, wenn jede*r seine Rolle und seine Aufgaben bei LOVECO findet und diese eigenverantwortlich erfüllt.

Moritz: Grundsätzlich werden bei LOVECO alle in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Wesen wertgeschätzt und respektiert. Wir arbeiten mit der Überzeugung, dass alle bei uns immer ihr Bestes geben!


Vreni Jäckle, Grafik & Konzeption
„Ich arbeite seit zwei Jahren bei LOVECO und während dieser Zeit habe ich immer wieder gemerkt, wie gut das sogenannte neue Arbeiten funktionieren kann, wenn man offen kommuniziert und gemeinsam Lösungen findet. Letztes Jahr wollte ich zum Beispiel eine vierwöchige Backpacking-Reise machen. Das war natürlich mit einiges an Vorbereitung und Absprache verbunden, war dann aber möglich. Dieses Jahr hat sich meine Selbstständigkeit so entwickelt, dass ich meine Stundenanzahl bei LOVECO reduzieren wollte, um noch allem gerecht werden zu können. Auch das war möglich. Jetzt gerade arbeite ich für einen begrenzten Zeitraum ‚remote‘ vom Ausland aus – eine ganz neue Situation für mich und auch das erste Mal für LOVECO, aber durch digitale Tools und mit offener Kommunikation geht es. Für mich als Arbeitnehmerin ist dabei immer wichtig, dass ich mit meinen Wünschen nicht hinterm Berg halte, aber meine Kolleg*innen und Chef*innen auch nicht überrumple, sondern immer schnellstmöglich Bescheid sage, damit es überhaupt möglich ist, eine gute Lösung zu finden. Außerdem finde ich wichtig, dass man auch erklärt, wieso einem nun gerade etwas wichtig ist und vielleicht auch schon einen Vorschlag macht, wie eine Lösung aussehen könnte. Und man muss natürlich auch Verständnis haben, wenn etwas mal nicht klappt.“

Welche Rolle spielen Verantwortlichkeiten bei New Work?

Moritz: Absolut zentral. Viele der Methoden und Grundideen, die sich unter dem Begriff „New Work“ angesammelt haben, funktionieren nur, wenn Menschen dazu bereit sind, Verantwortung für ihre Aufgaben und Tätigkeiten zu übernehmen. Ansonsten ist der Frustrationsfaktor hoch. Verantwortung bedeutet für mich aber auch, sich und seine Position im Team immer wieder zu hinterfragen: Macht es Sinn, an was ich gerade arbeite? Kann ich mir für dieses oder jenes noch Unterstützung holen? Arbeite ich an etwas, was mir wirklich Spaß macht oder erledige ich nur Aufgaben, die mir andere gegeben haben?

Anhand der Beschäftigung und gemeinsamen Auseinandersetzung mit diesen Fragen versuchen wir bei LOVECO Verantwortlichkeiten zu kreieren.

Christina: Jede*r im Team hat seine Aufgaben, für die er*sie verantwortlich ist. Es gibt Überschneidungen im Team, für andere Dinge ist man allein zuständig. Am Ende ist uns wichtig zu sehen, dass eine Aufgabe erledigt wurde. Auch ohne dass wir bei jeder Entscheidung involviert wurden. Wer Verantwortung übernehmen kann und mag, der sollte das tun dürfen. Ich halte nichts von eingefahrenen Strukturen, wo jede Entscheidung von der Chefetage abgesegnet werden muss. Das hält mir den Rücken frei und gibt hoffentlich den Mitarbeiter*innen Freiheit in ihrer Arbeit.

Jetzt interessiert uns natürlich: Wie arbeitest Du und wie möchtest Du arbeiten? Wie verstehst du New Work für Dich und was ist dir wichtig?

Hier gibt es mehr Infos dazu, wie wir arbeiten.
Wie das für unsere Gründerin Christina so ist, wenn sie einen neuen Laden eröffnet, kannst Du hier nachlesen.

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