Warum Greenwashing ein Problem ist und was Du tun kannst

Man streift durch die Gänge im Supermarkt, schaut sich Werbeanzeigen in Modemagazinen an oder “About”-Seiten großer Firmen im Internet: Begegnen Dir dort auch vermehrt Worte wie “natürlich”, “nachhaltig” oder “grün”?

Bilder von Wäldern, Wolken oder Meerwasser begleiten das Ganze. Aufgepasst, you might have been green washed!

So gern wir uns auch in unserer “Blase” befinden, in der es viele Menschen sehr ernst und sehr gut meinen, so erschreckend ist es auch, wenn man sich dann immer mal wieder in der großen Welt umsieht. Denn auch dort versuchen viele vorzugeben, ganz genauso nachhaltig zu sein. Weil das gerade Trend ist? Weil es ihr (unser?) Gewissen beruhigt?

In diesem Artikel geht’s um’s sogenannte Greenwashing, warum Unternehmen diese “Marketing Methode” überhaupt anwenden und wie man ihnen den Wind aus den Segeln nehmen kann.

Was ist Greenwashing?

Greenwashing bezeichnet eine Art von Marketing- und PR-Arbeit, die als Ziel hat, ein Unternehmen in der Öffentlichkeit als umweltfreundlich oder verantwortungsbewusst darzustellen, obwohl es dafür keine Belege gibt.

Einige Beispiele für Methoden im Greenwashing sind:

  • Firmen erschaffen oftmals ihre eigenen Siegel, die von keiner neutralen Instanz ausgegeben oder überprüft wurden.
  • Sie verstecken sich hinter großen Worten, die nicht durch Konkretisierungen belegt werden (z. B. ein genauer Ort in einem Land als Produktionsstätte oder eine genaue Materialzusammensetzung).
  • Viele wirksame Worte sind nicht geschützt und können frei verwendet werden (z. B. “fair” als Begriff vs. der geschützte Begriff “hergestellt in einer Fairtrade Kooperative”).

Warum ist das so ein Problem?

Es gibt einige offensichtliche Probleme mit Greenwashing. Ein Grund ist natürlich, dass (potenzielle) KundInnen hinters Licht geführt werden. Es wird ihnen etwas versprochen, was nicht richtig ist. Häufig steckt aber noch mehr Kalkül hinter diesen Methoden: Einige Firmen präsentieren sich nach außen hin als klimaschützend, um für obskure Klimaschutzprojekte Fördergelder einzuheimsen. Andere versuchen dadurch, Gesetzesvorhaben der Politik auszuhebeln, indem sie fälschlicherweise behaupten, sie täten schon selbst etwas gegen ein bestimmtes Problem und bräuchten keine Regulierungen in Bezug auf Emissionen, etc.

Greenwashing kann also weitreichende Folgen haben, die über eine reine Täuschung des Konsumenten hinausgeht. Darüber hinaus geht aber mit der Täuschung im Greenwashing ein größeres, schleichendes Problem einher, das auf zweifache Weise wirken kann.

  • Die Menschen beruhigen ihr Gewissen. Es wird etwas für den Umweltschutz getan, obwohl eigentlich nichts getan wird. Die großen Probleme, die mit großer Schnelligkeit über uns einbrechen, werden gar nicht gelöst. Doch Konsumenten denken allerdings, dass genau das geschieht. Das Ergebnis? Sie setzen sie sich nicht weiter damit auseinander. Sie ignorieren alles, was noch kommt.
  • Die Menschen vertrauen niemandem mehr. Es lohnt sich für sie nicht mehr wirklich zertifizierte Produkte zu kaufen, weil sie auch unabhängigen und internationalen Siegeln und anderen Beweisen nicht mehr glauben. Als Folge resignieren sie und kaufen ohne bewusste Entscheidung ein.

Wie kann man Greenwashing erkennen?

Damit Greenwashing ein Ende gesetzt werden kann, muss man natürlich wissen, wie man es erkennen kann und im zweiten Schritt, was man schließlich dagegen tun kann.

Wir schauen uns hier mal zwei Kampagnen an und blicken hinter die Kulissen. Dabei zeigen wir ein eher negatives und ein eher positives Beispiel.

H&M Conscious

Screenshot von der deutschen Webseite von H&M

Was fällt uns auf? Leider erstaunlich viel Negatives. Deshalb würden wir die Conscious Kampagne von H&M als Greenwashing bezeichnen:

  • Die Biobaumwollproduktion bezieht einige Standards vom GOTS mit ein, ist aber nicht GOTS zertifiziert.
  • Die vermeintlich fairen Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung der Kleidung sind durch gar kein unabhängiges Siegel ausgezeichnet.
  • Nachhaltigkeitsziele werden als Verantwortung gesehen, aber nicht in konkrete Arbeitsschritte umgewandelt.
  • Kontrollen finden durch eigene H&M Auditoren statt, also nicht durch unabhängige Prüfer.

Als positiv gilt hervorzuheben, dass sie nachhaltigere Materialien in leider nur verhältnismäßig geringen Teilen mitaufnehmen. Doch das allein reicht nicht aus!

Vaude Green Shape

Das Team von Vaude und ihr Bericht von der Fair Wear Foundation

Bei Vaude werden sehr viele Informationen preisgegeben. Das mag auf den ersten Blick überfordernd sein, doch alle Aussagen werden belegt.

  • Nachhaltigkeitsberichte werden durch unabhängige Prüfstellen kontrolliert. Die Produktionsstätten des Unternehmens werden seit 2010 durch die Fair Wear Foundation zertifiziert.
  • Verwendete Biobaumwolle ist GOTS zertifiziert.
  • Weitere Materialien werden auch von anderen Unternehmen verwendet und sind eingetragene Marken, die nicht vom Unternehmen selbst kreiert wurden.
  • Alle Informationen, die gegeben werden, haben einen direkten Bezug zu den Produkten von Vaude.

Zehn wichtige und leicht zu erkennende Punkte, worauf Du bei Kampagnen achten solltest, findest Du im Greenwash Guide von Futerra (in englischer Sprache):

Grafik mit Tipps zum Greenwashing

Natürlich hilft es, wichtige Siegel und Zertifikate schon vorher zu kennen. Für den Bereich Mode findest Du die, denen wir vertrauen und welche wir auch Dir ans Herz legen, in unserem Ratgeber: Fairtrade, GOTS und Fair Wear Foundation. Auch die IVN Zertifizierung finden wir sehr vertrauenswürdig.

Eine interessante Zusammenstellung von aufgedecktem Greenwashing und Diskussionen zu konkreten Fällen und Kampagnen gibt es übrigens beim Klima-Lügendetektor.

Auch in diesem Video wird eine vermeintlich grüne Werbekampagne auf sehr gute Art und Weise Stück für Stück auseinandergenommen (in englischer Sprache):

Was kann man dagegen tun?

Wie die Fashion Revolution Week ermutigen auch wir dazu, ständig und immer bei Unternehmen nachzufragen. Irgendwann müssen sie einfach auf Anfragen reagieren! Und sich bei vielen Nachfragen eingestehen, dass ihre Greenwashing Methode nichts mehr bringt. Entweder sie verändern wirklich ihre Art zu wirtschaften und können dies belegen oder sie können der Nachfrage nicht mehr standhalten.

Ansonsten hilft natürlich immer: Sag es weiter! Sprich mit Freunden und Familie darüber und kläre sie auf!

Hast Du zum Beispiel eine fragwürdige Kampagne im Bereich Mode entdeckt, bei der Du Dir unsicher bist? Poste sie doch hier in den Kommentaren oder in unserer brandneuen Facebook Gruppe!

Quellen:

Die dunkle Seite der CSR” (reset.org)
Eine Spurensuche” (wiwo.de)
10 Werbeaussagen, die Ihr hinterfragen solltet” (nicetohavemag.de)
Die grüne Lüge großer Firmen” (MDR)
Futerra Guide” (via LinkedIn)

3 Comments

  1. Pingback: Alles, was du schon immer über nachhaltige Materialien wissen wolltest |

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