Der Online-Markt boomt: Eine Chance für das stationäre Geschäft?

Geschrieben von unserer Praktikantin Rebecca.

Durch die zunehmende Nutzung des Internets von Unternehmen öffnen sich für uns neue Türen zum Einkaufen – eine riesige Auswahl an Produkten, die zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar sind und direkt nach Hause geliefert werden. Ganz klar, der Fortschritt der Digitalisierung verändert die Art unseres Konsums und weckt in uns neue Bedürfnisse.

Online vs. Stationär

Der Online-Handel hat in Deutschland in den letzten Jahren rasant zugenommen. Egal ob Kleidung, Bücher, Filme oder Musik, die Deutschen lieben den Online-Markt. Deswegen ist dieser auch um ganze 10% in den letzten Jahren angestiegen und hat mittlerweile einen Umsatz von 53,4 Mrd. Euro.

Umsatz des Online-Marktes wächst um zehn Prozent 2018

Die stationären Umsätze wachsen 2018 hingegen nur noch um 1,2 %, also deutlich weniger als das zweistellige Wachstum des Online-Markts. Auch die Prognosen für die nächsten Jahre sehen für den stationären Einzelhandel nicht sonderlich rosig aus. Laut des deutschen Handelsverbandes (HDE) werden 50.000 Geschäfte insolvent gehen. Das sind ungefähr 50% aller stationären Läden in Deutschland. Hat der stationäre Handel in Zukunft überhaupt noch eine Chance?

Gründe für die Insolvenz

Es gibt drei Faktoren, die im Wesentlichen die Verantwortung für die problematische Situation des stationären Geschäfts tragen:

  1. Die wachsende Digitalisierung und damit das wachsende Online-Geschäft. Mit dem Internet bietet sich für den KonsumentIn eine Alternative zum Kaufhaus. Ob Lebensmittel, Medizin oder Lifestyle-Produkte – online ist einfach alles. Viele stationäre EinzelhändlerInnen ergreifen jedoch nicht die Chance ihre Produkte oder ihren Service online zu stellen, sondern sehen die digitale Welt als Bedrohung für ihr Geschäft. Anders als der stationäre Handel kann der Online-Markt schnell auf neue Trends reagieren und damit innovative Geschäftsmodelle entstehen lassen. Diese treffen sofort auf Nachfrage, die dem stationären Geschäft zur Folge fehlt. 
  1. Die Veränderung unserer Bedürfnisse. Arbeiten, Shoppen, Essen und Gespräche führen,  wir machen mittlerweile fast alles gleichzeitig. Das bedeutet, wir suchen nach flexiblen, schnellen und bequemen Lösungen für unseren Alltag. Genau diese bietet uns der E-Commerce. Anstelle des aufwändigen Rausgehens zum Geschäft, bei dem wir im schlimmsten Fall noch nicht mal das bekommen, was wir brauchen, sind unsere Wünsche im Internet mit wenigen Klicks sofort erfüllt.
  1. Der demografische Wandel in Deutschland. Der Rückgang der Einwohnerzahl in ländlichen Gebieten führt dazu, dass wir uns regional in die Zentren verschieben. Dadurch entsteht ein intensiverer Wettbewerb zwischen den Läden in Großstädten und ein massiver Rückgang des stationären Einzelhandels in den Dörfern. Durch die Alterung der Bevölkerung wird die konsumfreudigste Altersgruppe (20-49 Jahre alt) immer kleiner. Die Bedürfnisse der “Best Ager” (besten Jahre) werden also in Zukunft von steigender Bedeutung für die Gestaltung und das Angebot des Einzelhandels sein. Ein wichtiger Punkt, den viele EinzelhändlerInnen gern mal vergessen.

Und was denkt LOVECO darüber?

Im Interview mit Loveco über die Situation des stationären Einzelhandels

Christina und Moritz, Gründer und Geschäftsführer von LOVECO, haben mir in einem Interview ihre Sicht auf die aktuelle Situation des stationären Handels mitgeteilt. “Der Einzelhandel stirbt nicht aus”, sagen Christina und Moritz mir in unserem Gespräch. Ihrer Meinung nach sei zwar das Offline-Geschäft durch die rasanten Veränderungen im Online-Markt beeinträchtigt, aber genau an diesem Punkt dürfe man die beiden Kanäle nicht gegeneinander ausspielen. Stattdessen müsse man eine Lösung finden, wie man sich dieser Entwicklung stellen kann.

“Der Einzelhandel hat eine große Chance, wenn er den richtigen Mehrwert für die KundInnen bietet.”

Moritz findet, dass sich der Einzelhandel wieder auf die traditionellen Werte konzentrieren müsse: eine entsprechende Beratung, hilfreiches und gut geschultes Personal, Verfügbarkeit der Produkte und nette extra Service-Leistungen. Mit Anonymität, geringer Kompetenz und starkem Personalmangel, wie man es in den großen Modeketten oft vorfände, werde der stationäre Handel nicht weiter kommen.

“Durch unsere Beratung und die angenehme Atmosphäre fühlen sich die KundInnen gut aufgehoben.”

Das Kundenfeedback im Geschäft sei für LOVECO sehr entscheidend, erzählt mir Christina. Durch persönliche Rückmeldungen gäbe es immer wieder wertvolle Informationen über die Wünsche und Erfahrungen der KundInnen.

Aber nicht nur die Beratung sei ein zentraler Punkt im Offline-Geschäft, sondern auch die Inneneinrichtung. Christina lässt sich dafür gerne von anderen Läden inspirieren und gestaltet die Stores mit recycelten Möbeln passend zum nachhaltigen Gesamtkonzept.

So würden viele kleine Details die Räumlichkeiten von den LOVECO Stores zum richtigen Einkaufserlebnis für die Kundschaft machen: Ohrringe, die an Nägeln in der Wand stecken, eine Schaukel mitten im Raum und in Zukunft auch ein kleines Bücherregal mit nachhaltigen Modebüchern zum Ausleihen.

Kleiner Tipp von mir: Wer noch mehr Anregung zur Gestaltung der Ladenfläche braucht, kann während der Fashion Week in Berlin zur “Retail Solutions” gehen. Diese Messe präsentiert AusstellerInnen für Inneneinrichtung, smarte Umkleiden, DienstleisterInnen, Warenwirtschaftssysteme und beinhaltet spannende Diskussionen über die Problematik des stationären Einzelhandels.

“Ich nenne unseren Onlineshop auch gerne die Verlängerung des Schaufensters.

Trotz der guten Annahme des ersten LOVECO Stores in Friedrichshain haben sich Christina und Moritz damit nicht zufrieden gegeben. Nach der Gründung des Concept Stores folgte relativ schnell der Onlineshop. Von Christina erfahre ich, dass sie dabei auf die Nachfrage der Kundschaft reagiert habe.

“Die KonsumentInnen möchten sich vor dem Kauf gerne über unsere Produkte informieren, deswegen war es nur sinnvoll, unseren Laden mit einem Onlineshop zu verknüpfen”. Mit der Kombination von Offline und Online könne man den Kundenwünschen eben am besten gerecht werden.

“In dem Moment, in dem wir vor zwei Jahren online gegangen sind, hat sich einfach nochmal ein ganz anderer Zuspruch für den stationären Laden bemerkbar gemacht.”

Der Zugang zu neuen Menschen, die man durch das Auftauchen in Suchmaschinen und Social-Media-Kanälen erreiche, lasse man völlig außen vor, wenn man sich nur auf das Offline-Geschäft konzentriere, erklärt mir Moritz. “Außerdem erhält man auch damit wertvolles Feedback über Themen, mit denen sich die Zielgruppe auseinandersetzt, was sie interessiert und bewegt und welche Trends gerade angesagt sind.” Diese Art von Feedback sei ganz anders als die in den Läden, wo meistens die Kleidung im Vordergrund stehe.

LOVECO’s Tipps für EinzelhändlerInnen:

“Man sollte das veränderte Informations- und Kaufverhalten nicht per se ablehnen, sondern Möglichkeiten finden, diese in sein Geschäftsmodell zu integrieren.”

Aus der Perspektive von Christina und Moritz macht die Kombination von Online und Offline grundsätzlich am meisten Sinn. Allerdings raten beide ab, dass Online-Geschäft als kleinen Versuch nebenbei zu führen. “Wir haben ein großes Team mit Leuten, die sich um verschiedene Bereiche kümmern. Darunter Spezialistinnen für Marketing, Produktpflege und  Grafik. Das wird sicherlich schnell unterschätzt, aber es ist unheimlich wichtig für die aktive Gestaltung unserer Online-Präsenz”, so Christina.

Genauso sollte man nicht vergessen, dass das Online-Geschäft ein permanenter Prozess ist. Durch die Reaktionen auf neue Trends und die kontinuierliche Aktualisierung von Features sei man nie vollständig damit fertig.

Auch das Zusammenbringen von den beiden Kanälen sei nicht immer einfach. “Dadurch, dass Mode ein Saisongeschäft ist und die Artikel schnell wechseln, muss man sich gut überlegen, wie man die neue Ware online präsentiert”, erfahre ich von Moritz. Man könne sich diese Arbeit durch eine gute Vorbereitung und einen intensiven Austausch zwischen den Teams von Online und Offline erleichtern.

Als Schlusswort gibt Moritz den Tipp: “Seid offen für neue Entwicklungen und habt keine Angst davor!”

LOVECO Shop in Schöneberg zeigt wie Digitalisierung und stationärer Handel zusammenpasstFAZIT: Offline & Online Hand in Hand!

»Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.« (Charles Darwin)

Unsere Gesellschaft wird sich immer wieder wandeln und neue Bedürfnisse werden in uns geweckt. Unternehmen müssen auf diese Veränderungen reagieren und können nicht einfach hoffen, dass alles wieder so wie früher wird. Im Hinblick auf die aktuelle Situation des stationären Einzelhandels müssen Firmen also eine Möglichkeit finden, wie sie Offline und Online zusammenbringen. Mehrere Kanäle statt nur ein Kanal ist die Strategie!

Mit der Erweiterung durch den Onlineshop hat LOVECO nicht nur den KundInnen einen Wunsch erfüllt, sondern auch für sich einen großen Vorteil entdeckt – der Zuwachs einer neuen Zielgruppe, die bis dahin unerreichbar blieb. Obwohl es viel Arbeit und Kontinuität erfordert, zahlte sich der Einstieg ins Online-Geschäft für LOVECO definitiv aus. Mit der richtigen Einstellung und etwas Mut ist der zunehmende Online-Markt eben eine echte Chance für den stationären Handel.

Was denkst Du darüber? Wie kaufst Du am liebsten ein? Oder bist Du vielleicht selbst LadeninhaberIn und kannst von Deinen Erfahrungen berichten?

Quellen zum Nachlesen:

HDE: https://www.boersenblatt.net/artikel-umsatzprognose_2018_des_hde.1522495.html

Handelsblatt: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/handelsblatt-branchencheck-der-einzelhandel-droht-2019-zum-opfer-der-digitalisierung-zu-werden/23820150.html?ticket=ST-1261558-dkuRKsMygjrakHUp0wmd-ap4

WELT: https://www.welt.de/wirtschaft/article161812481/Dem-deutschen-Einzelhandel-droht-ein-Massensterben.html

KPMG: http://www.einzelhandel.de/images/presse/Studie_Trends_Handel_2025.pdf

 

 

Feedback? Schreibe einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.