Auf dem (steinigen) Weg zum klimaneutralen Standort

Dank Fridays for Future und dem Klimastreik ist das Thema gerade in aller Munde: Die Besteuerung von CO2 und klimaschonendes Verhalten von Unternehmen!

Natürlich berühren uns diese Themen bei LOVECO auch. Deshalb beschäftigen wir uns schon länger damit, wie wir als Unternehmen unsere klimaschädlichen CO2-Emissionen möglichst gering halten können. Und wie wollen wir mit nicht-vermeidbaren Emissionen umgehen?

Beim globalen Klimastreik in Berlin.

CO2 Kompensation: Sinnvoll oder nur moderner Ablasshandel?

In den letzen Jahren haben sich einige Organisationen gebildet, mit deren Hilfe man als Unternehmen bzw. Privatperson seinen individuellen CO2-Verbrauch sowohl berechnen als auch direkt kompensieren kann.

Das Grundprinzip dabei ist simpel und einleuchtend: Zuerst erfasst man seinen CO2-Verbrauch in allen relevanten Bereichen. Anschließend kompensiert man die bilanzierten Emissionen durch die Unterstützung von anerkannten Klimaschutzprojekten, die CO2-mindernde Funktionen erfüllen (z.B. die Aufforstung von Regenwald oder der Bau von Solaranlagen).

Das wohl bekannteste Beispiel ist die Möglichkeit, die beim Flugverkehr entstehenden Emissionen über Anbieter wie atmosfair zu neutralisieren. Doch auch die Kompensation von Veranstaltungen, Autoverkehr, Dienstleistungen und sogar Kreuzfahrten (!) sind problemlos möglich. Beim Blick auf diese Angebote wird schnell ersichtlich, warum es auch viel Kritik an der Idee der „Klimaneutralität“ gibt: Diese Vorgehensweise ist nämlich prädestiniert für Greenwashing und ein gefundenes Fressen für große Marketingabteilungen.

In der Praxis lassen sich Unternehmen ihre vermeintlichen Klimabemühungen durch Kompensationszertifikate bescheinigen und nutzen diese anschließend wirkungsvoll in ihrer Außendarstellung. Das Ergebnis: Die Unternehmen verpassen sich dadurch einen grünen, klimaneutralen Anstrich, ohne Grundlegendes an ihren klimaschädlichen Verhaltens- und Produktionsweisen ändern zu müssen. Auf Privatpersonen ist diese Vorgehensweise leider eins zu eins übertragbar.

Nicht ganz umsonst hat sich für diese Form des Klimaschutzes daher schnell der Begriff des „modernen Ablasshandels“ in der öffentlichen Wahrnehmung etabliert.

Wir kompensieren nur nicht-vermeidbare Emissionen

Für uns ist es daher absolut essentiell, das Instrument der Klimaneutralisation nur für wirklich unvermeidbare CO2-Emissionen zu nutzen: Wir setzen uns zuerst mit der Frage der Notwendigkeit von betrieblichen Verhaltensweisen auseinander und versuchen eine möglichst klimaschonende Strategie zu entwickeln. Erst dann nutzen wir die Möglichkeit der Kompensation von CO2-Emissionen durch Unterstützung von Klimaschutzprojekten.

Ein paar konkrete Beispiele dazu aus unserem Alltag:

  • Wir halten alle unsere Mitarbeiter*innen dazu an, mit öffentlichen Verkehrsmittel oder dem Fahrrad ins Büro bzw. in unsere Stores zu kommen.
  • Wir achten bei der Wahl unseres Strom- und Wärmeanbieters auf nachhaltige und zertifizierte Unternehmen.
  • Wir vermeiden betriebliche Flüge.
  • Wir verpacken Bestellungen nicht in unnötig große Kartons und nutzen die Versandkartons mehrmals.
Sarah kommt mit dem Rad zur Arbeit. Da sie in Schöneberg wohnt und in Kreuzberg arbeitet, nimmt sie auf dem nach Hause Weg Schuhe für Mischbestellungen mit. So müssen wir für diese Bestellungen nicht zwei Pakete schicken.

Unsere erste Klimabilanz

Trotz dieser (und vieler zusätzlicher) Maßnahmen entstehen durch unsere Aktivitäten natürlich weiterhin schädliche Emissionen. Für 2018 haben wir jetzt erstmals versucht, diese bei LOVECO vollständig zu bilanzieren.

Das war ein sehr interessanter Prozess und das Ergebnis hat uns auch nochmal darin bestärkt, immer wieder über den Tellerrand zu schauen und zu prüfen, wie in einem Unternehmen Emissionen entstehen und wie man diese minimieren kann.

Hier siehst Du das Ergebnis unserer ersten Klimabilanz:

bilanz_com2emissionen_loveco2018
loveco CO2 Bilanz 2018, erstellt von myclimate gGmbH

Man erkennt sofort, dass ein Großteil aller entstandenen CO2-Emissionen durch den Warentransport von den Marken zu unseren Stores in Berlin entsteht. Über den großen Anteil waren wir selbst überrascht und prüfen jetzt Möglichkeiten, um in diesem Bereich Einsparungen erzielen zu können.

Direkt danach folgt der Bereich „Verpflegung & Getränke“. Obwohl wir in unserem Büro vegan kochen und überwiegend Leitungswasser trinken, sind in diesem Bereich ebenfalls einige Tonnen CO2 angefallen.

Ein Teil unseres Teams beim Mittagessen.

Der Sektor „Wärme und Energie“ fällt durch unseren Bezug von Ökostrom und Ökogas nur sehr gering ins Gewicht.

Unter dem „Rest“ verbirgt sich unter anderem die Mobilität unserer Mitarbeiter*innen sowie Dienstreisen. 60% unserer Mitarbeiter*innen kommen mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit, 40% mit dem Fahrrad und niemand fährt mit dem Auto. Im Jahr 2018 haben wir keinen einzigen betrieblichen Flug unternommen (Kreuzfahrten übrigens auch nicht :-)). Darauf sind wir schon ein bisschen stolz, denn dieser Bereich hat in vielen Unternehmen deutlich höhere Auswirkungen auf die Klimabilanz als bei uns.

1 Jahr LOVECO = 1x Sydney und zurück

Unterm Strich haben wir 2018 25 Tonnen CO2 verursacht. Das entspricht ungefähr einem 1-Klasse Hin- und Rückflug von Berlin nach Sydney. Der dafür gezahlte Kompensationsbeitrag von 400 Euro fließt in ein Wiederaufforstungsprojekt von Mangrovenwäldern in Myanmar.

Hinzu kommen noch 1,2 Tonnen CO2, die durch die Auslieferung der Bestellungen in unserem Online Shop entstanden sind. Wir versenden mit DHL GoGreen und zahlen dafür einen Aufschlag von 2 Cent pro Bestellung. Die DHL arbeitet ebenfalls mit ausgewählten Klimaschutzprojekten zusammen, in die sie unseren Kompensationsbeitrag einzahlt.

Jetzt weißt Du also, wie wir zu dem Thema CO2-Kompensation stehen und wie wir bei LOVECO versuchen, den berechtigten Vorwurf des Ablasshandels mit dem sinnvollen Prinzip der Kompensation zu verbinden.

Hast Du noch Tipps zur CO2-Einsparung? Kannst Du Erfahrungen aus Deinem Unternehmen teilen?

2 Comments

  1. Avatar Regina Lotz 27. Oktober 2019 at 20:39

    Hallo, ich finde euer Konzept super und hoffe, dass die bestellten Teile auch passen!!! Wird es loveco zukünftig auch in anderen Städten geben? Ich komme aus der Nähe von Frankfurt. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Laden in Frankfurt auch gut funktioniert 😊 liebe Grüße, Regina

    Reply
    1. Avatar Lina Zuppke 29. Oktober 2019 at 13:18

      Liebe Regina,

      danke für Deine lieben Worte!

      Wir hoffen, Deine neuen Lieblingsteile gefallen Dir und passen!

      Bisher gibt es gerade keine Pläne für Stores in anderen Städten, aber wer weiß, was die Zukunft bringt – wir schließen nichts aus! 😉

      Ganz liebe Grüße zu Dir!
      Lina von LOVECO

      Reply

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