Warum wir Jeden für die Fashion Revolution brauchen

Wer uns kennt, der weiß, dass unsere Lieblingsteile alle drei unserer Säulen erfüllen: sie sind ökologisch, fair und vegan hergestellt worden. In diesem Blogpost geht's um den fairen Aspekt, denn schließlich ist weltweit Fashion Revolution Week

In Gedenken an den schrecklichen Einsturz des Rana Plaza Komplexes machen wir und vielen andere Teilnehmer auf die größtenteils noch unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie aufmerksam. Warum gibt es solch eine Fashion Revolution Week überhaupt? In welchen Bereichen der Textilproduktion spielt Fairness eine Rolle? Wer hilft dabei, dort für Fairness zu sorgen? Trotz der Tragödie in Bangladesch produzieren viele konventionelle Modefirmen immer noch unter unmenschmlichen Bedingungen. Gerade in der komplizierten Verarbeitung der Textilien herrschen immer noch schreckliche Zustände was Hygiene und Sicherheit betrifft. Eine der Institutionen, die diese Probleme angehen, ist die Fair Wear Foundation

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Viele Siegel, viel Verwirrung

Die Fair Wear Foundation setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen der Menschen ein, die in der Verarbeitung der Materialien arbeiten. Die Organisationen Fairtrade und Global Organic Textile Standard (GOTS) beschäftigen sich eher mit den Bedingungen während des Anbaus (GOTS) und Handels der Rohstoffe (Fairtrade). Beim GOTS werden auch ökologische Standards stärker berücksichtigt. Die Fairtrade Organisation ist vielen schon bekannt, da sie bei vielen anderen Rohstoffen mitwirkt, unter anderem im Bereich Lebensmittel. 

Die Verarbeitung und Veredelung von Textilmaterialien ist um einiges komplexer und findet häufig in vielen unterschiedlichen Fabriken statt: Waschen, verarbeiten, veredeln, färben, etc. Hier kommt die weitaus weniger bekannte Fair Wear Foundation ins Spiel: Sie unterstützt und überprüft Unternehmen bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Welche Labels sind dabei?

Folgende unserer Marken sind Mitglieder in der Fair Wear Foundation:

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Mitglied sein bedeutet: Man möchte die verbesserten Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken in Kraft treten, überprüfen und begutachten lassen. Dafür müssen die Unternehmen folgende Grundregeln erfüllen:

  • Sie müssen ihre eigenen Kleidungsstücke produzieren.
  • Ein Jahresumsatz von mind. 1,5 Millionen Dollar muss gegeben sein.
  • Die Produktion muss in Ländern stattfinden, die von der Fair Wear Foundation überprüft werden (können).


Das heißt also - wie so häufig bei Siegeln und Zertifizierungen, dass viele kleine Label mit weniger Jahresumsatz gar kein Mitglied werden können. Das sollte man immer berücksichtigen, wenn man sich mit Fashion Labels auseinandersetzt. Einige Zertifizierungen sind für kleine Labels beispielsweise auch schlicht und ergreifend zu teuer. Bei uns ist Christina deshalb gerade mit den kleinen Labels in engem Kontakt, um sich persönlich von den Produktionsumständen zu überzeugen und ihnen so auch ohne Siegel vertrauen zu können. Auch kann die Fair Wear Foundation noch nicht in allen Ländern der Welt Fabriken überprüfen. Wer also woanders produziert, muss Audits von anderen Organisationen durchführen lassen.

Was genau prüft die Fair Wear Foundation?

In diesem Video werden die Arbeitsbereiche der Organisation übersichtlich zusammengefasst:

  1. Freie Wahl der Arbeit

    Es liegt keine Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft oder Arbeit von Strafgefangenen vor.

  2. Keine Diskriminierung bei der Arbeit

    Einstellung, Bezahlung, Weiterbildung, Beförderung, Rente werden unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, politischer Einstellung, Gewerkschaftsmitgliedschaft, sozialem Milieu oder Behinderung bestimmt.

  3. Keine Kinderarbeit

    Das Alter der Angestellten darf nicht geringer sein als das zur Beendigung der Schulpflicht und in jedem Fall nicht geringer als 15 Jahre. Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren dürfen nur Arbeiten tätigen, die ihrer Gesundheit und ihrer Entwicklung entsprechen.

  4. Das Recht auf Organisation in Gewerkschaften

    Jeder Angestellte hat das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten und sich in einer solchen zu organisieren. Das Unternehmen ist verpflichtet, dies sicherzustellen und zu respektieren. Die Arbeitsvertreter dürfen keiner Diskriminierung ausgesetzt werden und müssen Zugang zu allen Bereichen bekommen, um ihre repräsentativen Aufgaben tätigen zu können.

  5. Die Bezahlung von Living Wages

    Das Gehalt der Arbeitnehmer muss über dem gesetzlichen Minimum und im Rahmen der Industriestandards liegen. Es muss für die grundlegenden Bedürfnisse der Arbeitnehmer und ihrer Familien ausreichen und ein verfügbares Einkommen darstellen. Abzüge vom Lohn aufgrund von Strafe sind nicht erlaubt, sie dürfen nur aufgrund von gesetzlichen Änderungen geschehen. Auch mit Abzügen darf der Lohn nicht unter dem Mindestlohn liegen. Arbeitnehmer müssen über ihr Gehalt und Zahlungsfristen ausreichend informiert werden.

  6. Vernünftige Arbeitszeiten

    Die Arbeitszeiten müssen innerhalb der gesetzlichen Rahmen und Industriestandards liegen. Kein Arbeitnehmer sollte mehr als 48 Stunden in der Woche arbeiten müssen. Nach sieben Tagen Arbeit muss in jedem Fall ein Urlaubstag in Folge gegeben sein. Überstunden sollen auf freiwilliger Basis geschehen und 12 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Sie sollen nicht zur Regel werden und immer kompensiert werden.

  7. Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

    Es muss ein sicherer und hygienischer Arbeitsplatz gegeben sein. Arbeitnehmer müssen über Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen aufgeklärt werden. Die Standards sollen Unfällen vorbeugen und die Gesundsrisiken minimieren. Körperliche Gewalt und das Drohen mit körperlicher Gewalt als Strafe ist verboten.

  8. Vertragliche Absicherung der Beschäftigung

    Die Beschäftigung muss vertraglich geregelt sein und Sozialversicherung u.ä. beinhalten. Bei Ausbildungen muss darauf Wert gelegt werden, Können und Fähigkeiten anzulernen und zu entwickeln. Jungen Arbeitnehmern muss die Möglichkeit gegeben werden, an Weiterbildungsprogrammen teilnehmen zu können.

Viva la Revolution?

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Organisationen wie die Fair Wear Foundation helfen also, die gegebenen Umstände zu verbessern. Und doch muss das Unternehmen selbst sich für solch eine Umstellung öffnen. Dazu sind immer noch nicht alle Player in der Modebranche bereit, wir müssen sie dazu bringen! Genau deshalb sollte jeder Aktionen wie die Fashion Revolution Week als Anlass nehmen, aktiv zu werden. Schon mit wenig Aufwand kann man etwas bewegen. Die Fashion Revolution Week hat eine praktische Übersicht erstellt (ab Seite 7), welche Aktionen bei welchem Zeitaufwand möglich sind - bereits fünf Minuten können etwas bewirken!

Wir freuen uns, dass Euer positives Feedback und Euer Interesse an uns stetig wächst - auch das ist schon ein Zeichen. Ihr zeigt, dass es Euch nicht egal ist, von wem Euer neues T-Shirt wo unter welchen Bedingungen hergestellt wurde. Um mehr Macher in der Modewelt zu Veränderung zu bewegen, müssen wir jedoch auch Kritik äußern: Indem wir bei allen (auch konventionellen) Marken genauer hinsehen und ganz einfach direkt und offen nachfragen: Who made my clothes?

Fotos: 

Dhaka Savar Building Collapse by rijans | Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0) 
Missing Board by Sharat Chowdhury | Wikimedia Commons (CC BY 2.5)

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