Eco Fashion bei Amazon & Zalando: Echt jetzt!?

Jetzt mal ehrlich: Wer von uns hat noch nie bei Amazon oder Zalando eingekauft? Wenn jetzt keiner von euch "Hier" schreit: Macht nix. Ihr (und ich) seid definitiv nicht alleine :-)

An Amazon bzw. Zalando ist im Jahr 2017, so scheint es zumindest, kein Vorbeikommen mehr: Allein der Marktanteil von Amazon am gesamten (!) deutschen Onlinehandelsumsatz lag 2016 bei über 30%. Auf Amazon kann man aktuell aus der schier unglaublichen Zahl von 229 Millionen Produkten auswählen, davon allein im Fashion Bereich aus über 7 Millionen Kleidungsstücken. Und über die Hälfte aller Produktsuchen im Internet werden mittlerweile direkt bei Amazon gestartet.

Amazon und Zalando sind in den letzten Jahren zu DEN absoluten Platzhirschen aufgestiegen. Das haben auch schon einige Eco Fashion Labels wie ARMEDANGELS, Knowledge Cotton Apparel oder Hemp Hoodlamb erkannt und verkaufen fleißig ihre Kollektionen über die Plattformen.

Und ja: Es gibt wahrscheinlich keine einfachere und bequemere Möglichkeit als bei den Großen einzukaufen. Eine unfassbare Auswahl, einfache Bestellung, schnelle Lieferung und lange Rückgabefristen.

Amazon & Zalando: Wie konnte das nur passieren?

Auch wir hatten ein paar Monate nach dem Start unseres Online Shops einen Anruf von einem netten Amazon Mitarbeiter. Und der ging, grob zusammengefasst, so:

Amazon: "Hallo, ich bin Product Manager für die Kategorie Bekleidung und betreue speziell Marken, die Eco Fashion bei uns anbieten. Wir sind auf Ihren Shop aufmerksam geworden und würden uns freuen, Sie als Verkäufer in unser Amazon Marketplace Programm aufzunehmen."

Ich: "Interessant. Aber es gibt bei Amazon doch gar keine Kategorie für faire und nachhaltige Mode. Das scheint Ihnen dann doch nicht sooo wichtig zu sein."

Amazon: "Ja, das stimmt zwar, aber wir haben auch Labels wie ARMEDANGELS im Sortiment und sehen, dass die Nachfrage kontinuierlich wächst."

Und genau an diesem Punkt wird sehr gut deutlich, wie Amazon in den vergangenen Jahren seinen Einfluss immer weiter ausgebaut hat. Mit dieser Methode haben sie es geschafft, dass mittlerweile knapp 50% des Umsatzes auf Amazon von Teilnehmern des sog. Marketplace Programms erwirtschaftet wird. Bei jeder zweiten Bestellung ist also nicht Amazon der ursprüngliche Käufer oder Hersteller des Produktes, sondern ein Dritter (Marke, Händler etc.). Amazon übernimmt lediglich die Abwicklung und ggf. den Versand. Für diese Marketplace Umsätze kassieren sie je nach Angebotskategorie eine Provision von 18 bis über 30% der Umsätze von den Verkäufern.

Man muss sich das nochmal genau verdeutlichen: Erst hat Amazon es geschafft, den Online Handel massiv zu konzentrieren und damit etliche Händler in den Ruin getrieben. Den verbliebenen Händlern und Marken haben sie dann ihr Partnerprogramm angeboten und kassieren so bei jeder Bestellung mit.

Kurz und provokant: Erst alles zerstören, dann die Reste gnädig aufsammeln und sich fürstlich dafür bezahlen lassen.

(gesehen bei: Das Buch als Magazin)

Und die Rettung in das Marketplace Programm bringt für Händler und Marken noch einen weiteren entscheidenden Nachteil mit sich. Nämlich den Aufbau einer völlig einseitigen Abhängigkeit zwischen Händler bzw. Marke und dem Handelsriesen.

Es mehren sich die Fälle, bei denen Amazon gezielt das Kaufverhalten seiner Kunden auswertet, die Sortimente seiner Marketplace Teilnehmer analysiert und die gut laufenden Produkte einfach kopiert. Und noch eine Stufe radikaler: Letztes Jahr wurden ausgerechnet zur Weihnachtszeit tausende Händler unter dubiosen Umständen vorübergehend aus dem Amazon Listing entfernt und damit etliche Existenzen ruiniert.

Soviel steht fest: Eine Partnerschaft mit Amazon ist sicherlich vieles, aber ganz sicher keine auf Augenhöhe.

Von fairen Arbeitsbedingungen sind die großen Handelsriesen meilenweit entfernt

Kommen wir nun zu einem Teil, der uns als Vertreiber von fairer und nachhaltiger Mode ganz besonders am Herzen liegt: Die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Nun ist es ja ganz bestimmt kein Geheimnis mehr, dass Amazon, Zalando und Co. keine Vorbilder für die Rechte und die Entlohnung der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind. Pausenzeiten werden durch lange Wege künstlich verkürzt, Menschen mit Uni Abschluss verdienen nur knapp über Mindestlohn und grundlegende soziale Errungenschaften wie die Mitbestimmungsrechte und die Rechte von Gewerkschaften werden durch geschickte, juristische Konstruktionen ausgehebelt.

Wem diese Praktiken noch nicht radikal genug erscheinen, für den hat sich Amazon kürzlich noch eine besonders perfide Idee ausgedacht: Laut einer internen Betriebsvereinbarung bekommen Angestellte ihren Bonus gekürzt, wenn ihre Kollegen besonders viele Krankheitstage einreichen. Abteilungen mit besonders wenig Krankmeldungen erhalten einen höheren Bonus als Teams, in denen MitarbeiterInnen öfter krank sind.

Neben den kontroversen Arbeitsbedingungen stehen die Handelsriesen auch immer wieder in der Kritik, alles dafür zu tun, ihre Milliardengewinne nicht oder nur in geringem Maß zu versteuern. So hat es Amazon bspw. durch trickreiche Unternehmensverflechtungen geschafft, in den Jahren 2007-2012 nur etwas mehr als 5% Steuern auf seine Gewinne zu zahlen. Zum Vergleich: Der deutsche Steuersatz (den auch wir zahlen) liegt bei 25-30%. Immerhin versteuert Amazon seit 2015 seine in Deutschland erwirtschafteten Gewinne auch vor Ort. Allerdings nicht aus Altruismus oder einem generellen Umdenken, sondern weil die EU endlich anfängt, einige der Steuerschluplöcher zu schließen.

Für mich persönlich stellt sich an diesem Punkt die Frage, ob wir solche Zustände und Praktiken einfach nur hinnehmen wollen oder bewusst und aktiv etwas dagegen tun möchten?

Wollen wir also wirklich, dass

• unterbezahlte MitarbeiterInnen im Akkord Pakete für uns packen?

• die Lohnhöhe an die Anzahl der Fehltage gekoppelt ist?

• sich Monopolisten bilden, die den Erfolg ihres Geschäftsmodells über alles stellen und gute, spezialisierte Händler in den Ruin treiben?

• Unternehmen ihre Gewinne nur marginal oder gar nicht versteuern?

Und brauchen wir das wirklich?

• Bestellungen, die schon in der nächsten Stunde vor der Haustür warten

• Eine Auswahl aus über 7 Millionen Kleidungsstücken (Ganz ehrlich: Bei Amazon Mode kaufen macht ungefähr soviel Spaß wie die jährliche Inventur!)

• Oder ein Mitgliedschaftsprogramm (Amazon Prime) für mittlerweile 70 Euro im Jahr, damit unsere Lieferungen noch schneller und scheinbar kostenlos zu uns kommen

“[An Amazon:] Du willst gute Services, Shops und Unternehmen platt machen, um alles selbst zu machen. Dabei setzt du das Vertrauen der Kunden auf’s Spiel und verlierst an Kontur und Qualität. Du wirst ein Moloch des Mittelstandkonsums, ein Kaufhausmammut der Neuzeit. Du wirst uninteressant für Kenner, für Menschen mit Stil, für Menschen mit Freude am Shoppen!” Johannes Altmann, shoplupe.de

Bei der Herstellung von fairer und nachhaltiger Mode steht doch so viel mehr im Vordergrund als die riesige Auswahl, permanente Verfügbarkeit und schnellstmögliche Lieferung der Klamotten (siehe unseren Blogpost zu LOVJOI).

Eco Fashion bei Amazon bzw. Zalando? Für uns ganz klar: Ein Widerspruch in sich!

Im nächsten Blogpost stellen wir Euch dann tolle und vor allem faire Alternativen zu den Handelsriesen vor. Wenn Ihr daran interessiert seid, meldet Euch einfach für unseren Newsletter an. 

Bild Teaser: Spain (Amazon España por dentro) / Álvaro Ibáñez - Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0) 

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  • Auf den Punkt!

    Ich bin begeistert von diesem Artikel! Ich bin auf der Suche nach fairer Kleidung immer wieder auf Zalando und Amazon gelandet und habe mich genau wie ihr in der Headline gefragt: echt jetzt?! Kann das überhaupt funktionieren?!
    Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich bei meinen Einkäufen dann doch immer direkt beim eigentlichen Hersteller bestellt.
    Ich bin froh, alles richtig gemacht :D